Die Referenz für dieses Gesicht war Watteaus „Pierrot“. Mein „Pierrot“ ist eingetaucht in eine Welt voller farbiger, malerischer, abstrakter Zeichen. Das Gesicht wirkt jung, der Ausdruck schwer definierbar, ein wenig irreal trotz der Körperlichkeit.

Lambert Wiesing hat klar gemacht, dass Bilder etwas herstellen, etwas präsentieren: „Bilder müssen keine Zeichen sein, sie können als Zeichen verwendet werden. Doch sie bleiben Bilder, sie zeigen ein fiktives Bildobjekt, ganz unabhängig, ob man sie dazu verwendet, um sich mit ihnen auf etwas Fiktives oder Reales zu beziehen. Bilder müssen etwas präsentieren, erzeugen und sichtbar machen.“[1]

Künstlerische Bilder leben von der Dialektik einerseits ihrer „Real-Präsenz“, ihrer „Präsentation“[2] und andererseits von ihrem Zeichencharakter, der auf etwas außerhalb verweist. Auch wenn das autonome Kunstwerk seinen Zeichencharakter abzustreifen versucht wie eine Fessel und auf der „reinen“ Präsenz besteht, wie ein Ding aus einer anderen Welt, bleibt es doch untrennbar verbunden mit seinem Verweisungscharakter. Und dennoch: einmal wird die Fessel abgestreift – und reine Präsenz und Bedeutung vereinigen sich aufs Schönste! Und das in der profanen Welt; in der religiösen ist dieses Zusammenspiel idealiter immer gegeben. 

Die Referenz auf das berühmte Rokoko-Bild ist eine zusätzliche Information von mir, dem Künstler. Mein „Pierrot“ ist keine Variation, keine Paraphrase des Bildes von Watteau. Man muss nicht, man kann es deuten. Pierrot, der traurige Clown und Harlekin, der schlaue Tölpel, haben eine gemeinsame Wurzel, den Narren, wozu auch Pulcinella gehört. Giorgio Agamben versichert uns, dass „Pulcinella – wie Arlecchino und der Zanni – zu dem Zug höllischer Gestalten gehören, die den Monarchen der Verrückten, den Blasius oder König des Karnevals im Zyklus der Karnevalsfeste begleiten, die im christlichen Europa frühzeitig an die Stelle der heidnischen Saturnalien traten und deren insaniae ludibria (Spielzeug des Wahnsinns) und debacchationes obscenas (obszöne Ausschreitungen) wieder aufnahmen."[3]

Der technoide Comic-Hinter- und Vordergrund mitsamt dem Gesicht hat etwas mit Science-Fiction zu tun. Damit versuche ich das Uralte, Anfängliche mit dem ganz Neuen, Zukünftigen zu verbinden, ohne es allerdings irgendwie kurz zu schließen im Sinne einer „Interpretation“, es sei denn, einer „Fiction“…

 

[1] Lambert Wiesing, Wie werden Bilder zu Fiktionen?. In Konrad Paul Liessmann, Als ob! Die Kraft der Fiktion, Wien 2022, S. 130

[3] Giorgio Agamben, Pulcinella, München 2018