Beauties 05, 2016, Acryl/Collage, 105 x 70cm

 

In diesem Bild kommt meine Liebe zur Schönheit der Parks und der Landschafts-Schönheiten überhaupt zum Ausdruck.

Die geometrischen Anlagen des Barockgartens erinnern mich immer daran, dass dieser mit seinen geometrischen Proportionen ein Abbild des Kosmos (und umgekehrt) ist. Doch Gott wohnt inzwischen nicht mehr im himmlischen Empyräum oder auf dem Olymp oder in einem imaginären paradiesischen Garten, sondern er weilt mitten unter uns – nach seinem Tode – im Irdischen Paradies, das wir besonders in der Moderne zu erreichen versuchen.

Insbesondere unser Natur-Begriff sei davon massiv betroffen, meint der Wissenschaftssoziologe Bruno Latour in seinem aus acht Vorträgen bestehenden Buch „Kampf um Gaia“, wenn er fragt: „Warum bin ich mir so sicher, dass der Ursprung jener sonderbaren Gleichgültigkeit gegenüber den Warnungen hinsichtlich des gegenwärtigen Zustands der Natur in der Religion zu suchen ist?[1] Und er antwortet: „Aufgrund des Wiederauftauchens, ja der Allgegenwart des Begriffs Apokalypse. Sobald man mit gewisser Ernsthaftigkeit…von ökologischen Veränderungen spricht, wird man sofort beschuldigt, sich in „apokalyptischer“…Rede zu ergehen. Dann kann man das Problem gleich frontal angehen und antworten: „Ja, natürlich…Die Moderne lebt insgesamt in der Apokalypse oder, genauer, nach der Apokalypse…Deshalb hat sie sich selbst dazu verurteilt, nichts von dem zu begreifen, was ihr die Geschichte an Neuem bringt. Wir haben folglich zu akzeptieren, dass endlich ein apokalyptischer Diskurs geführt wird – und zwar im Präsens.

 

[1] Bruno Latour, Kampf um Gaia, E-Book, Berlin 2017, 6. Vortrag: Wie soll man dem Zeitenende (k)ein Ende bereiten

Beauties 16, 2017, Acryl/Collage auf Dibond, 105 x 70cm

 

Diese Arbeit aus einer jüngst entstandenen Serie von  übermalten Collagen ist nach Gemälden, die dann wiederum übermalt wurden, entstanden. Bei genauerem Hinsehen kann man rechts oben noch die Vorderseite eines Rettungswagens im Einsatz erkennen, der unter den expressiv-pastosen Pinselstrichen fast ganz verschwindet.

Rettung durch Kunst? Oder gar durch Schönheit? Oder ist die Grenze zwischen schön und häßlich, – traditionell ausgedrückt zwischen gut und böse – unscharf, ja kaum vorhanden, so dass eins ins andere übergeht? In diesem Bild ist Vieles angedeutet, bleibt Vieles im Dunkeln, obwohl der Bildaufbau klar und überschaubar ist. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die zwischen abstrakt-expressiver Malerei und Photographie, zwischen Analogem und Digitalem und zwischen Bild und Kopie oszillierende Bildwelt.

Beauties 10, 2017, Acryl/Aquarell, 60 x 40 cm

 

Es gibt einen dionysischen - oder Exzess-Charakter der Schönheit im Gegensatz zu deren langer, bis auf die Griechen zurückreichenden apollinischen Tradition, die allerdings immer wieder konterkariert wurde, z.B. im Prunk-Gehabe der Renaissance, die den Schaucharakter weiblicher Schönheit – auch der nackten – geradezu zelebrierte.

Schönheit als Ereignis kann meiner Meinung nach beides umfassen: Das metaphysisch Schöne als Maß, Form, Selbstdisziplin, Proportion, was im Platonismus auf das letztlich Gute und damit Göttliche verweist. Demgegenüber entfaltet sich das andere Schöne als Luxus, Prunk, Äußerlichkeit, Extravaganz, Überfülle, Glanz, Verschwendung, Opulenz und natürlich – Erotik.

Beauties 15, 2017, Acryl/Collage, 100 x 70 cm

 

In Europa haben wir dem Schönen so lange Zeit unsere Weihrauchopfer dargebracht, weil für uns nach dem Tod der Götter kein anderer Kult mehr möglich war. Später hat man den Tod des Schönen verkündet. Doch ist die Wirksamkeit dieses Aufrufs zur Revolte heute nicht schon verloschen? Was lässt sich mit dem gestürzten, doch unersetzlichen Schönen anfangen?

Francois Jullien

Beauties 09, 2017, Acryl/Collage, 70 x 100 cm

Beauties 06, 2017, Acryl/Collage, 100 x 70cm

 

 

Beauties 06, 2017, Acryl/Collage, 100 x 70cm

 

Heribert Heere

KÜNSTLER