Besonders die Fabelwesen sind nur in ihrem Werden, in ihren Metamorphosen, wie sie in den frühen Kulturen bis zur beginnenden Neuzeit gang und gäbe waren, zu begreifen. Doch was heißt „Tier-Werden“, wenn wir nicht ausschließlich kulturhistorisch vorgehen oder gar einer obskuren Esoterik verfallen?

„Die Arten des Tierwerdens sind weder Träume noch Phantasmen. Sie sind durch und durch real“ meinen Deleuze/Guattari in ihren „Tausend Plateaus“.

Gerade die Monster der Vormoderne vermögen das Bedrohliche und Unheimliche auszudrücken und erscheinen so in meinen Arbeiten der Serie „Die Schöne und das Biest“ nicht in ihrer heutigen high-tech digitalisierten Hyperrealität, sondern als ironisches Bild mit all seinen Verweisungscharakteren.

Das Unheimliche ist nach Freud nichts anderes als das Heimliche, was bis in unsere Kindheit hineinreicht. Sind aber nicht die Unheimlichkeiten unseres individuellen Daseins letztlich Animalität und Tod?

Das Monströse ist eine Maskerade, denn die Maske ist das fleischgewordene Chaos.

Die Maske des Monströsen fingiert den Schrecken des eigenen Todes.

Doch der maskierte Dämon des nächtlichen Schreckens birgt zugleich die taghelle Freude und die Begeisterung der Fülle des Lebens (was uns die Schöne im vertrauten Umgang mit dem Biest vermittelt).

Die „Schöne und das Biest“ begegnen sich in meinen Arbeiten ziemlich entspannt in einer fast paradiesischen Landschaft, als deren „Vorbild“ die Toskana dient.

 

Diese Serie besteht aus„Klapp-Ikonen“, kastenförmigen Wandobjekten mit Öl- bzw. Acrylmalerei. Damit greife ich eine formale Struktur wieder auf, die auf meine künstlerischen Anfänge mit minimalistischen Arbeiten zurückgeht. Damals experimentierte ich mit pastos gespachtelten farbigen Rahmen- und Fächen-Strukturen. Meine neuen Malobjekte haben im Hinblick auf die monochromen Seitenflächen Ähnlichkeit mit minimalistischen Dingen. Auf der Vorderseite dagegen male ich in einer offenen „Faktur“ (Maloberfläche) phantastisch-schöne Szenarios.

Damit intendiere ich nicht eine „dekorative“ Funktion minimalistischer und monochromer Oberflächen, sondern versuche, Prinzipien prononcierter abstrakter Kunst mit denen figurativer Malerei zusammenzubringen. Allerdings kann man diese abstrakt monochromen Strukturen auch "dekorativ" im Sinne des "decorum“ (lat. das Schickliche und Schöne, Reizende) sehen.

Heribert Heere

MALER  COLLAGIST  ESSAYIST