Nach neuen Meeren 1, 1997, Acryl/Öl/Collage auf Dibond, 200 x 100 cm

 

 

Dorthin — will ich; und ich traue

Mir fortan und meinem Griff.

Offen liegt das Meer, ins Blaue

Treibt mein Genueser Schiff.

 

Alles glänzt mir neu und neuer,

Mittag schläft auf Raum und Zeit –:

Nur dein Auge — ungeheuer

Blickt mich's an, Unendlichkeit!

 

Friedrich Nietzsche, Nach neuen Meeren, 1882

Nach neuen Meeren 4, 1997, Acryl/Öl/Collage auf Dibond, 200 x 100 cm

 

Nietzsches Gedichte waren besonders in den 90er Jahren für mich ein steter Ansporn, mich mit meiner Kunst weiter „ins Offene zu wagen“, auch existentiell. Die Arbeiten zu „Nach neuen Meeren“ gehören zu meinen „Einschreibungen“ von anderen Gedichten und Texten von Nietzsche, Hölderlin, Dante, Goethe und Ovid. Meine Bild-und-Text-Orientierung hat so schon früh in meine Arbeiten selbst Eingang gefunden. Während in „Nach neuen Meeren 1“ mehrere Gesichter aus meinen Arbeiten (z.B. Doree, S. ) uns, die Betrachter, anblicken, wird in Nietzsches Gedicht der Autor selbst von der Unendlichkeit angeblickt. So entsteht eine jeweilige Doppelung des Blick-Austausches: ein Mal der Betrachter und die Gesichter, das andere Mal der Künstler (Autor) und die Unendlichkeit. Letztere habe ich immer im Sinne des Perspektivismus gesehen, der bei Nietzsche den Blick ins Weite, ins Blaue öffnet, im Glanz des „großen Mittags“. In „Nach neuen Meeren 4“ bilden ein dunkler Engel (wie in „Beauties 06“, S.), eine gedoppelte Medusa und ein christlicher mittelalterlicher Asket inmitten einer lachenden Schönen mit Collier und Dekolleté eine transkulturelle, dämonisch-mystisch-erotische Welt mit unendlichen Transparenzen (Durchsichtigkeiten).

Nach neuen Meeren 2, 1997, Acryl/Öl/Collage auf Dibond, 200 x 100 cm